Yoga auf die Ohren

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Folge 14

Die Frau und der Wanderer

Diese Kurzgeschichte handelt von der Begegnung zweier Menschen, vom Geben und Nehmen, vom Erkennen und Ziehenlassen.

Wir können immer wählen zwischen Entscheidungen, die unsere Wege prägen. Es ist unsere Entscheidung , wie und für was wir unsere Energie einsetzen. Wenn dies auch oft als herausfordernd erscheint, ist es doch möglich. Ein erster Schritt ist, sich dessen bewusst zu werden und das anzunehmen:

Ja, ich habe Wahlmöglichkeiten.

Ja, ich kann mich für dies oder jenes entscheiden.

Ja, ich habe dieses oder jenes Gefühl – und ich entscheide mich von diesem oder jenem geleitet und begleitet weiter zu gehen.

Passend dazu schreibt der Autor Paulo Coelho in seinem Buch „Handbuch des Kriegers des Lichtes“ eine Geschichte, die ich hier in abgespeckter Form einmal wiedergeben möchte ( Das Buch findest du z.B. hier .)

Darin betrachtet der Krieger des Lichtes zwei Säulen, die zu beiden Seiten einer Tür empor ragen, durch die er gleich schreiten möchte.

Die eine Säule ist die Säule der Angst, die andere die Säule des Wunsches.

Auf der Säule der Angst steht sinngemäß: Wenn du durch diese Tür gehst, wirst du in eine Welt treten, die gefährlich ist, unbekannt und in der du verloren bist, weil alle deine Fähigkeiten dort sinnlos sind.

Dann wendet er sich zu der anderen Tür, der Tür des Wunsches. Auf ihr steht sinngemäß:

Wenn du durch diese Tür gehst, wirst du aus deiner bekannten Welt heraus treten. Du wirst die Dinge gut verwahrt zurück lassen, für die du dich eingesetzt und gekämpft hast und die du immer haben wolltest.

Dann wendet sich der Krieger der Tür zu und lächelt – denn es gibt nichts, was ihn erschrecken oder aufhalten kann. Und ganz zuversichtlich und sicher öffnet er die Tür.

Du siehst also, der Krieger erkennt nicht nur, was ihn in seinem Inneren umtreibt, sondern er betrachtet alle Facetten: Angst darf sein und Wunsch darf auch sein. Beides hat seine Berechtigung, beides ist ok. Dadurch, dass er beidem Aufmerksamkeit schenkt hat die Angst es auch gar nicht nötig später aufzubegehren, denn: sie wurde ja wahrgenommen und gesehen. Dass sich der Krieger letztlich für den Wunsch entscheidet kann ihr somit egal sein.

Es geht in dieser Geschichte nicht nur um die Entscheidung, sondern auch um das Zurücklassen von Bekanntem, Vertrautem. Dinge, die einen begleitet haben. Dinge, die einem wichtig geworden sind.

Vielleicht ist diese Geschichte für all diejenigen, die ein bisschen Mut brauchen, um auch etwas Loszulassen, was ihnen lange Zeit gedient hat, für das sie hart „gekämpft“ haben. Denn wer weiß – sicherlich öffnen sich durch das Betreten der „Wunsch-Tür“ wieder neue Wege, die neue Dinge bringen, die einen gut und sicher begleiten.

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